Magazin / Aufträge finden
Aufträge finden
MyHammer Alternative: Welche Portale bringen wirklich Aufträge?

Warum die Suche nach Aufträgen oft zur Zerreißprobe wird
Sie kennen das: Der Montag beginnt, das Auftragsbuch ist dünner als erhofft, und die nächsten zwei Wochen sind nicht vollständig geplant. Die Versuchung ist groß, sich schnell bei einem Handwerkerportal anzumelden – MyHammer, Blauarbeit, Auftragsbank – und zu hoffen, dass die Anfragen von allein kommen. Doch nach zwei Wochen intensiver Angebotsschreiberei sitzt man da und fragt sich: Warum habe ich für zehn Angebote nur einen Auftrag bekommen, und der war noch unter Wert?
Das Problem ist nicht neu, aber es wird oft unterschätzt: Portale sind Marktplätze, auf denen Hunderte oder Tausende Handwerker um dieselben Aufträge konkurrieren. Wer dort erfolgreich sein will, muss verstehen, wie das System wirklich funktioniert – und vor allem, ob es für die eigene Situation überhaupt das richtige Werkzeug ist.
So funktionieren Handwerkerportale wirklich: Ein Blick hinter die Kulissen
Ein Handwerkerportal ist im Kern ein Vermittler zwischen Kunden und Handwerkern. Der Kunde stellt eine Anfrage ein ("Ich brauche einen Elektriker für eine Steckdoseninstallation in Berlin"), und der Handwerker sieht diese Anfrage und kann ein Angebot abgeben. Das klingt einfach – ist es aber nicht.
Die Sichtbarkeit entscheidet: Nicht jeder Handwerker sieht jede Anfrage. Portale verwenden Algorithmen, um Anfragen an passende Handwerker zu verteilen – basierend auf Spezialisierung, Bewertung, Reaktionsgeschwindigkeit und Region. Ein neuer Handwerker mit noch keinen Bewertungen wird weniger Anfragen sehen als ein etablierter mit fünf Sternen. Das ist das erste Hindernis.
Die Konkurrenz ist hart: Auf einer einzelnen Anfrage können sich 5 bis 15 Handwerker bewerben. Der Kunde wählt dann aus – meist nach Preis, manchmal nach Bewertung. Das bedeutet: Sie konkurrieren nicht mit einem Handwerker, sondern mit vielen gleichzeitig. Und der Kunde hat die Macht, alle Angebote zu vergleichen.
Die Kommunikation läuft über das Portal: Sie können den Kunden nicht direkt anrufen oder per E-Mail kontaktieren – alles geht über die Plattform. Das macht es schwerer, eine echte Beziehung aufzubauen, und der Kunde kann leicht zwischen mehreren Handwerkern hin- und herwechseln.
MyHammer & Co.: Die Kostenstruktur – Was bleibt unterm Strich?
Bevor Sie sich anmelden, müssen Sie wissen, wie viel Sie das Portal kostet. Die Gebührenmodelle unterscheiden sich, aber sie alle haben eines gemeinsam: Sie zahlen, ob Sie einen Auftrag bekommen oder nicht.
Typische Kostenmodelle:
- Gebühr pro Angebot: Sie zahlen jedes Mal, wenn Sie ein Angebot abgeben – unabhängig davon, ob es angenommen wird. Das kann zwischen 1 und 5 Euro pro Angebot liegen (aktuelle Konditionen beim Anbieter prüfen). Wenn Sie zehn Angebote pro Woche abgeben und nur eines angenommen wird, zahlen Sie für neun "Fehlversuche".
- Monatliche Mitgliedschaft: Ein fester Betrag pro Monat (mehrere zehn Euro aufwärts, aktuelle Konditionen beim Anbieter prüfen), unabhängig davon, wie viele Anfragen Sie bekommen oder wie viele Aufträge Sie landen. Das kann sich lohnen, wenn Sie viele Anfragen erhalten – oder es ist reine Verschwendung, wenn Sie wenig zu tun haben.
- Provision auf den Auftragswert: Sie zahlen einen Prozentsatz des Auftragswertes – typischerweise zwischen 5 und 15 Prozent (aktuelle Konditionen beim Anbieter prüfen). Ein 1.000-Euro-Auftrag kostet Sie dann 50 bis 150 Euro an Provision. Das ist transparent, aber es reduziert Ihren Gewinn direkt.
Übrigens: Genau das ist Teil jeder Website, die wir bauen — mehr dazu unter So entsteht Umsatz.
Ein praktisches Rechenbeispiel: Sie sind Maler und arbeiten mit MyHammer. Die Gebühr liegt bei 2 Euro pro Angebot. Sie schreiben pro Woche 15 Angebote. Das kostet Sie 30 Euro pro Woche, oder etwa 120 Euro pro Monat – egal, ob Sie einen Auftrag bekommen oder zehn. Wenn Sie durchschnittlich jeden dritten Auftrag von MyHammer bekommen (was optimistisch ist), und jeder Auftrag 500 Euro Umsatz bringt, dann verdienen Sie mit MyHammer-Aufträgen etwa 2.500 Euro pro Monat – und zahlen dafür 120 Euro Gebühren. Das ist 4,8 Prozent des Umsatzes. Klingt okay. Aber: Wenn Ihre Quote schlechter ist (jeder fünfte Auftrag statt jeder dritte), zahlen Sie 120 Euro für 1.500 Euro Umsatz – das sind 8 Prozent, und die Rentabilität wird fragwürdig.
Die versteckten Kosten: Dazu kommen die Kosten für die Zeit, die Sie in Angebote stecken, die nicht angenommen werden. Eine halbe Stunde pro Angebot ist realistisch. Wenn Sie 15 Angebote pro Woche schreiben und nur 5 angenommen werden, verschwenden Sie 5 Stunden pro Woche in Angebote, die nichts bringen. Das ist Zeit, die Sie auf der Baustelle verdienen könnten.
Für wen lohnen sich Portale? Kriterien für eine ehrliche Selbsteinschätzung
Portale sind nicht für jeden sinnvoll. Hier sind die Kriterien, die entscheiden, ob es für Sie passt:
1. Ihre Auslastung: Wenn Ihr Auftragsbuch voll ist und Sie nur noch für Notfälle neue Kunden brauchen, verschwenden Sie Geld bei einem Portal. Wenn Sie aber regelmäßig Lücken haben und schnell neue Aufträge brauchen, kann ein Portal helfen – vorausgesetzt, die Quote stimmt.
2. Ihre Spezialisierung: Je spezialisierter Sie sind, desto besser funktionieren Portale. Ein Elektrofachbetrieb mit Spezialisierung auf Industrieanlagen wird auf einem Massenportal wie MyHammer nicht viel finden. Ein Handwerker mit breitem Leistungsspektrum (Reparaturen, kleine Renovierungen) findet dort mehr Anfragen.
3. Ihre Region: In Großstädten wie Berlin oder München gibt es mehr Anfragen auf Portalen als in ländlichen Gegenden. Je größer die Stadt, desto mehr Konkurrenz – aber auch desto mehr potenzielle Kunden.
4. Ihre Bewertungen: Wenn Sie neu auf dem Portal sind, bekommen Sie weniger Anfragen. Erst wenn Sie Bewertungen sammeln, werden Sie häufiger angezeigt. Das bedeutet: Die ersten Wochen sind hart, und Sie müssen durchhalten.
5. Ihr Preismodell: Wenn Sie mit Festpreisen arbeiten und schnell kalkulieren können, sind Portale einfacher. Wenn Sie für jeden Auftrag vor Ort schauen müssen, kostet das Zeit und Geld.
Die Alternativen: Direkte Kundenbindung und die eigene Website als Fundament
Es gibt bessere Wege, um nachhaltig an Aufträge zu kommen – und sie kosten oft weniger.
Die eigene Website: Eine einfache Website mit Ihren Leistungen, Ihrer Region und einer Kontaktmöglichkeit kostet Sie einmalig wenige hundert Euro und dann monatlich 10 bis 20 Euro für das Hosting. Im Gegensatz zu Portalen gehört diese Website Ihnen – Sie zahlen keine Provisionen, und der Kunde kann Sie direkt kontaktieren. Google bevorzugt lokale Suchanfragen ("Elektriker Berlin"), und wenn Ihre Website gut gemacht ist, erscheinen Sie dort kostenlos. Das dauert Monate, aber es funktioniert langfristig.
Google My Business: Kostenlos, und jeder sollte das haben. Ihr Betrieb erscheint auf Google Maps, Kunden können Sie bewerten, und Sie können direkt angerufen werden. Das ist oft der erste Ort, wo Kunden nach einem Handwerker suchen.
Lokale Netzwerke und Empfehlungen: Der beste Auftrag kommt von einem bestehenden Kunden, der Sie weiterempfiehlt. Das kostet Sie nichts außer guter Arbeit. Wenn Sie systematisch um Empfehlungen bitten ("Wenn Sie zufrieden sind, würde ich mich über eine Empfehlung freuen"), bauen Sie ein stabiles Netzwerk auf.
Lokale Anzeigen und Handwerkerlisten: Branchenbücher, Handwerkskammer-Listen, lokale Anzeigenblätter – diese Kanäle sind oft günstiger als Portale und erreichen Kunden, die gezielt nach einem Handwerker in ihrer Nähe suchen.
Der Vorteil dieser Alternativen: Sie zahlen einmal, und dann funktioniert es weiter. Bei Portalen zahlen Sie jedes Mal neu.
Blauarbeit, Auftragsbank & Co.: Ein kurzer Blick auf weitere Anbieter
MyHammer ist nicht das einzige Portal. Blauarbeit und Auftragsbank funktionieren nach ähnlichen Prinzipien – Sie melden sich an, sehen Anfragen, schreiben Angebote, und zahlen Gebühren. Die Unterschiede sind oft marginal:
- Blauarbeit: Funktioniert ähnlich wie MyHammer, mit Gebühren pro Angebot oder Mitgliedschaft. Die Nutzerbasis ist oft kleiner, was bedeutet: weniger Anfragen, aber auch weniger Konkurrenz. Für Spezialist:innen in bestimmten Branchen kann das vorteilhaft sein.
- Auftragsbank: Konzentriert sich auf größere Aufträge und Projekte. Wenn Sie Großprojekte machen, kann das interessant sein – aber für kleine Reparaturen eher nicht.
Die Kernfrage bleibt: Welches Portal hat die meisten Anfragen in Ihrer Region und Branche? Das ist oft das beste – unabhängig vom Namen.
Der Praxistest: Wann lohnt sich der Aufwand?
Wenn Sie unsicher sind, ob ein Portal für Sie passt, machen Sie einen Test:
- Melden Sie sich an und zahlen Sie für einen Monat Mitgliedschaft oder ein Angebot-Paket.
- Schreiben Sie 20 bis 30 Angebote in diesem Monat – realistisch, nicht gehetzt.
- Notieren Sie alles: Wie viele Anfragen sehen Sie? Wie viele Angebote schreiben Sie? Wie viele werden angenommen? Wie viel verdienen Sie mit den Aufträgen?
- Rechnen Sie nach: Kosten (Gebühren + Zeit) vs. Ertrag (Auftragswert). Ist es positiv, lohnt es sich. Ist es negativ oder knapp, nicht.
Das ist die einzige ehrliche Antwort – weil jede Region, jede Branche und jeder Handwerker anders ist.
Häufig gestellte Fragen zu Handwerkerportalen und Alternativen
Wie viele Angebote muss ich abgeben, um einen Auftrag zu bekommen?
Das hängt stark von Ihrer Bewertung, Region und Spezialisierung ab. Realistische Quoten liegen zwischen 1:3 und 1:10 – also ein Auftrag pro 3 bis 10 Angebote. Neue Handwerker ohne Bewertungen haben oft schlechtere Quoten. Mit guten Bewertungen und schneller Reaktion kann es besser werden.
Welche Art von Aufträgen sind auf Portalen am häufigsten?
Kleine bis mittlere Reparaturen und Renovierungen: Steckdosen, Wasserhahn reparieren, Maler- und Tapezierarbeiten, kleine Elektroinstallationen. Große Projekte sind seltener, weil Kunden dafür meist direkt einen Handwerker suchen, dem sie vertrauen.
Kann ich auf Portalen auch Aufträge finden, die nicht nur auf den niedrigsten Preis abzielen?
Ja, aber Sie müssen danach suchen. Manche Kunden wählen nach Bewertung und Beschreibung, nicht nur nach Preis. Mit guten Bewertungen und einer klaren, professionellen Angebotsbeschreibung erhöhen Sie Ihre Chancen. Aber: Ein großer Teil der Anfragen kommt von Kunden, die primär auf den Preis schauen.
Wie schütze ich mich vor unseriösen Anfragen über Handwerkerportale?
Lesen Sie die Anfrage genau. Manche Kunden haben unrealistische Erwartungen oder wollen Arbeiten, die nicht in Ihr Leistungsspektrum passen. Schreiben Sie nur Angebote für Aufträge, die Sie wirklich machen wollen. Und: Wenn etwas komisch wirkt, ist es wahrscheinlich komisch. Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl.
Was kostet es mich im schlimmsten Fall, wenn ich ein Portal ausprobiere?
Wenn Sie einen Monat Mitgliedschaft zahlen und keine Aufträge bekommen, verlieren Sie die Gebühr (mehrere zehn Euro) plus die Zeit, die Sie in Angebote gesteckt haben. Das ist überschaubar. Deshalb lohnt sich ein Test – aber machen Sie ihn bewusst und begrenzt.
Wie baue ich eine eigene Kundenbasis auf, die unabhängig von Portalen ist?
Systematisch: Gute Arbeit leisten, Kunden fragen, ob sie Sie weiterempfehlen würden, Google My Business pflegen, eine einfache Website haben, in lokalen Netzwerken präsent sein. Das dauert länger als ein Portal, aber es ist stabiler und kostet weniger.
Welche Rolle spielt die Bewertung auf Portalen für meinen Erfolg?
Eine große. Mit 4,5 bis 5 Sternen sehen Sie mehr Anfragen und haben bessere Chancen. Mit unter 4 Sternen werden Sie weniger angezeigt. Deshalb: Arbeiten Sie gut, und bitten Sie Kunden, Sie zu bewerten. Das ist Ihr Kapital auf dem Portal.
Fazit: Der Weg zu mehr Aufträgen – Ein klarer Fahrplan
Handwerkerportale wie MyHammer sind kein Wundermittel, aber auch kein Betrug. Sie sind ein Werkzeug – und wie jedes Werkzeug funktionieren sie nur, wenn Sie wissen, wie man es richtig einsetzt.
Für wen sich Portale lohnen: Handwerker mit breitem Leistungsspektrum in Großstädten, die regelmäßig Lücken im Auftragsbuch haben und schnell reagieren können. Wenn Sie gute Bewertungen sammeln und die Quote passt, können Portale eine sinnvolle Ergänzung sein.
Für wen sie nicht sinnvoll sind: Spezialist:innen mit voller Auslastung, Handwerker in ländlichen Gegenden mit wenigen Anfragen, und alle, die lieber mit bekannten Kunden arbeiten als ständig neue Angebote zu schreiben.
Der beste Weg: Kombinieren Sie mehrere Kanäle. Eine eigene Website (kostet wenig, zahlt sich langfristig aus), Google My Business (kostenlos), lokale Netzwerke und Empfehlungen (kostet nur gute Arbeit), und dann optional ein Portal als Zusatz. So reduzieren Sie das Risiko und erhöhen Ihre Chancen.
Wenn Sie sich für ein Portal entscheiden, machen Sie einen bewussten Test: einen Monat, klare Messung, ehrliche Rechnung. Dann wissen Sie, ob es für Sie passt – und Sie haben nicht Monate lang Geld verschwendet.
Mehr zur konkreten Kostenstruktur und den Gebührenmodellen finden Sie in unserem detaillierten Artikel zu MyHammer Kosten. Und wenn Sie systematischer an Aufträge kommen wollen, lesen Sie unseren Leitfaden Handwerker Aufträge: So füllen Sie Ihr Auftragsbuch nachhaltig.
Kostenlose Website-Erstellung — Sie zahlen nur Hosting. Wir entwerfen Ihre persönliche Vorzeigeseite komplett kostenlos. Sie sehen das Ergebnis, bevor Sie sich entscheiden.
Kostenlose Vorzeigeseite anfordernDer erste Schritt
Sehen Sie selbst, wie das für Ihren Betrieb aussieht.
Kostenlose Vorzeigeseite, unverbindlich — Sie entscheiden erst, wenn Sie das Ergebnis gesehen haben.
Kostenlose Vorzeigeseite anfordern